Bei Frank Werner liefen in Bad Salzuflen seinerzeit alle Fäden zusammen. Genauer gesagt: in seinem “Studio”. Er ist Mitgründer des “Fast Weltweit”-Labels. Mittlerweile fungiert er als Archivar dieser Zeit: Nirgendwo kann man sich besser zum Thema informieren als auf seinem exzellenten “Fast Weltweit”-Blog, das alle Lebensläufe bis heute mitvollzieht. Ein Gespräch über die Anfänge. Teil 1.

Erinnerst du dich noch an die allerersten Aufnahmen, die du gemacht hast?
Ich war als kleiner Junge begeistert vom alten Dampfradio meiner Großeltern und der Werkstatt eines Opas, der Techniker für diese Geräte war und Anlagen aus der Gastronomie reparierte, alte Wurlitzers und Radiogeräte. Mit zwölf Jahren hatte ich meinen ersten eigenen Kassettenrekorder, ein portables Gerät mit kleinem Mikrofon. Das Gerät war eine Revolution in meinem Schüleralltag. Im UKW-Radio der 70er-Jahre war Schlager Hauptbestandteil des Programms. Sendungen mit Pop- und Rockmusik gab es nur zu speziellen Zeiten und Terminen oder im BFBS. Ich konnte so Musikstücke aufnehmen und zeitversetzt hören. Das brachte ein Stück Autonomie in meinen Alltag und ein bisschen Freiheit für die Ohren.
Und dann kam irgendwann Bernd Begemann…
Bernd habe ich Jahre später in der Schule kennengelernt. Ich war ein bisschen älter, und Bernd hat sich in der Pause immer in die Raucherecke des Schulzentrums gemogelt. Bernd und Frank Jacobs hatten eine Punkband mit dem Namen Vatikan und suchten jemanden, der ein Tonbandgerät hatte. Ich hatte zu der Zeit einen Hi-Fi-Kassettenrekorder, und wir haben drei Tage lang in einem leer stehenden Gemeindehaus mit geliehenem Mischpult und Mikrofonen ein Demotape aufgenommen. Das hat mich „punkifiziert“.
Bernd erzählte, es ginge dir zunächst um Geräusche. Wie kam das?
Bernd verpackt das in seiner ganz eigenen Art in Geschichten und Andeutungen. Seine Pointe, ich hätte „Vogelstimmen rückwärts aufgenommen“, ist mehr übertragen gemeint. Der Name des Studios „Klangforschung“ steht für Entdeckung. Es ging immer um Musik, Aufnahmen und Kommunikation. Wir haben uns schon als Schüler getroffen und uns gemeinsam Platten angehört und vorgespielt, kleine Kassettensampler plus Cover gebastelt und verschenkt. Experimente mit Geräuschen gab es schon, z. B. bei the discount und Arthur Dent mit Frank Spilker und Mirko Breder. „Linoleum im Hirn“ ist so ein Stück. Dort spielt das Frequenzrauschen aus einem Kurzwellenradio eine tragende Rolle. Samples waren zu Anfang der 80er-Jahre recht neu. Arthur Dent hat gesampelte Klänge vom einem Diktiergerät benutzt.
Als du angefangen hast, dir das Equipment zu kaufen, gab’s da auch schon die Idee, Musik aufzunehmen?
Ich machte nach meinem Abi Zivildienst in einer Drogenklinik im Sauerland. Mein Draht zur Außenwelt war ein kleines Kofferradio, mit dem ich an gewissen Tagen nachts Sendungen von John Peel und Alan Bangs auf BFBS hören konnte. Das hat mich sehr beeinflusst. Nach dem Dienst und dem vollendeten 21. Lebensjahr zahlte mir mein Vater einen kleinen Bausparvertrag aus. Von dem Geld konnte ich mir eine kleine Vierspurmaschine und ein kleines Mischpult kaufen. Mit dem Equipment tingelte ich durch diverse Übungsräume und nahm auch Bands live auf. So entstanden Kontakte zu einer Herforder Band mit dem Namen The Toll. Andreas Henning, Michael Girke, Jürgen Jahn, Cord Budde und Rolf Birkfeld (R. I. P.) spielten Funpunk mit viel Ska-Einfluss. Saxofon, Keyboard, alles sehr schnell gespielt, rhythmisiert und deutsche Texte. Sie hatten ihren Übungsraum in einer alten Schokoladenfabrik.
Wie sah das konkret aus?
Wir improvisierten aus großen Schokoladenkartons eine Schlagzeugkabine und nahmen eine Kassette auf. Die Kassetten wurden im Selbstvertrieb von der Band an Freunde und auf Konzerten verkauft. Aus diesen Kontakten und gemeinsamer Musik entwickelten sich viele Freundschaften. So entstand ein kleines „fast weltweites“ Netzwerk von Freunden. Sehr viel fand einfach im Privaten, in Wohnungen statt, und man hat sich gegenseitig besucht, sich Songs vorgespielt, diskutiert und dann Dinge unternommen, ist z. B. zum „Forum“ in Enger gefahren, einem privat organisierten Musikklub mit einem ausgezeichneten Konzertprogramm. Das war für viele regelmäßiger Treffpunkt und verlängertes Wohnzimmer.